Vier Schiffe - sieben Meere

Vier Schiffe - sieben Meere

VAITEA vor der ersten Schleuse des Kaledonien-Kanal in Inverness, Schottland

Vaitea

Unter den Fahrtenseglern dieser Welt gibt es zwei unversöhnliche Gruppen, die sich auf den Ankerplätzen rund um den Globus jeden Abend zum Sundowner bzw. zur Happy Hour immer wieder heftige Diskussionen liefern, welcher wohl der sinnvollste und geeignetste Schiffstyp zum Fahrtensegeln ist.
Es gibt Katamaranliebhaber und Katamarangegner, zwei mitunter nicht versöhnbare Parteien.
Die Diskussionen werden teilweise sehr engagiert und hart geführt, teilweise aber auch scherzhaft.
Fließende Übergänge zwischen diesen Gruppen sind selten. Aber es gibt immer wieder Überläufer.
Nicht etwa Überläufer von den Katamaranliebhabern zu den Einrumpffetichisten. Nein, die Richtung der Überläufer ist da ziemlich eindeutig. Die Gruppe der Katamaranliebhaber wächst kontinuierlich. Und das hat seinen Grund.
Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel.

Ich, Alwin, gehöre zu den Katamaranliebhabern. Für mich ist nur ein Katamaran ein vernünftiges und sinnvolles Fahrtenschiff.
Ein Katamaran bietet bedeutend mehr Lebensraum und Komfort, als es eine Einrumpfyacht gleicher Schiffslänge je bieten könnte. Sei es vor Anker oder auf See.
Wenn man einen großen Teil seiner Lebenszeit auf dem Wasser verbringen will, ist das schon entscheidend.
Die meisten Weltumsegler oder Langfahrtsegler verbringen über 90 % der Zeit auf Ankerplätzen oder in einer Marina liegend. Gesegelt wird also höchstens 10 % der Zeit, und in diesen 10 % kommt auf der normalen "Barfußroute" um die Welt der Wind annähernd von hinten. Keiner fährt gern gegen oder hart am Wind. Das geht mal für kurze Strecken, aber längere Passagen kann man nicht gegen die vorherrschende Winde segeln, obwohl immer wieder Segler behaupten, es doch zu tun. Ich kann nur sagen, sie tun es meist nicht!

Um es vorwegzunehmen, einen Katamaran fährt man und eine Einrumpfyacht segelt man.
Das ist wie Flugzeugfliegen und Ballonfahren.

Sportliches Segeln ist mit einem vollausgerüstetem Fahrtenkatamaran kaum möglich. Trotzdem ist er auf den meisten Kursen den Einrümpfern an Geschwindigkeit weit überlegen. Er fährt also schneller.
Das ist physikalisch bedingt und kann von den Einrumpffanatikern kaum wegdiskutiert werden.
Aber das sportliche Feeling kommt halt dabei nicht so richtig auf, weil sich ein Katamaran nicht auf die Seite legt. Er bleibt annähernd stabil aufrecht, ob beim Segeln oder unter Maschine. Das hat natürlich den Vorteil, dass man nicht immer alles verzurren und wegräumen muß, wenn man in See sticht. Bis zu einer bestimmten Windstärke geht das normale Bordleben seinen gewohnten Gang, wo auf Einrümpfern alles schon im Ölzeug sitzt, und man sich auf dem Schiff nur noch sehr vorsichtig bewegen kann.
Das meist vorgebrachte Argument gegen die Katamarane ist, dass ein Katamaran kentern kann. Sollte das je geschehen, kann man ihn nicht mehr aufrichten. Das Schiff ist dann also in so einer Situation praktisch verloren.
Der Vorteil dabei ist aber, dass gekenterte Katamarane äußerst selten untergehen. Sie schwimmen halt dann nur verkehrt herum und bieten so eine riesige Rettungsinsel. Deshalb sind Todesfälle bei Katamarankenterungen sehr selten.
Auch Einrümpfer können kentern. Sie richten sich danach meist wieder auf, verlieren aber dabei sehr oft das komplette Rigg. Das ist auch nicht gerade fein. Außerdem gluckst so ein Einrumpfboot schon mal ganz gern vollkommen ab.
Statistiken zufolge sind Katamarane nicht gefährlicher als Einrumpfyachten.
Glücklicherweise nimmt die Anzahl der Yachtunfälle in den letzten Jahren allgemein stetig ab. Durch GPS Navigation, einfachen Empfang von immer besseren Wetterberichten, besserer Ausrüstung und anderen Einflüssen ist die moderne Fahrtenseglerei bedeutend sicherer geworden.
Und die meisten Schiffe gingen schon immer nicht auf hoher See in spektakulären Stürmen verloren, sondern in unmittelbarer Landnähe oder am Ankerplatz, wobei die Besatzung meist unverletzt blieb.

Trotz alledem war mein letztes Schiff, die KIWI KIWI, eine Einrumpfstahlyacht. Ich kaufte sie in Neuseeland, weil ich gerade ein Schiff suchte und kein Katamaran in meiner Preislage zu finden war.

Meine KIWI KIWI - eine Ganley Pacemaker 47 ft. mit 2,40 m Tiefgang aus Stahl

KIWI KIWI

Dieser Kauf war ein großer Fehler, weil es sehr schwer ist, sich von einem Katamaran wieder auf einen Einrümpfer einzustellen. Umgekehrt ist der Übergang meist kein Problem. Meine langjährige, damalige Mitseglerin und Bordfrau hat mich in dieser Zeit so manches Mal laut fluchen hören. War doch mein erstes Fahrtenschiff, die VAITEA, ein großer, wenn auch schon älterer Fahrtenkatamaran.

NEVERLAND - Segelkatamaran 20m x 10 m mit 0,85 m Tiefgang aus GFK

NEVERLAND 1

Ein Jahr nach dem Verkauf der VAITEA unmittelbar nach dem Hurrikan IVAN in Grenada im September 2004 wurde ich Skipper auf der NEVERLAND, ein noch größerer und sehr schneller Katamaran von 20 m Länge und 10 m Breite. Diesen Katamaran habe ich im November 2005 in Samoa übernommen und war bis Ende Mai 2015 Skipper auf diesem Schiff.

NEVERLAND im Hafen von Rockport, Maine

NEVERLAND 2

Ich bin bis jetzt ca. 159.000 Seemeilen gesegelt und war auf fast allen Meeren dieser Welt. Davon bin ich ca. 105.000 Seemeilen auf Katamaranen gesegelt und ca. 54.000 Seemeilen auf Einrumpfyachten. Ich weiß also, wovon ich rede.
In den meisten Diskussionen werden oft sehr vehement Meinungen von Seglern vertreten, die den anderen Schiffstyp entweder nie oder nur selten gesegelt sind, und somit nur sehr wenig Erfahrung vorweisen können, was den anderen Schiffstyp betrifft, den sie gerade niederdiskutieren wollen.

NEVERLAND und PERLE gemeinsam vor Anker in Le Marin, Martinique

NEVERLAND und PERLE

Ich bin jedenfalls sehr froh, endlich wieder Besitzer eines Katamarans zu sein.
Die PERLE ist ein sehr moderner und schöner Fahrtenkatamaran. Sie wird wohl mein letztes Schiff sein.
Die Größe ist genau richtig. Mehr muß ich nicht mehr erreichen!